Bruno Kirchgraber

Kommentare zum Weltgeschehen

Rheintaler Neujahrsgrüsse, in Linol geschnitten 1936-64 /79

Bereits 1936 eine Aussage, die heute wieder aktuell ist: Dem Starken droht man mit Sanktionen. Den Schwachen stärkt man mit Waffen.- Damit der Krieg gesichert ist.
Damals: Sanktioniert wurde 1935 Italien, wegen seines Ueberfalls in Abessinien. Aufgerüstet wurde in Deutschland massiv.
In neuerer Zeit: Die USA unterstützen den Schah gegen den Kommunismus, später die Taliban. Die USA unterstützen den Irak gegen den Iran - Pakistan gegen die Taliban. Die USA unterstützen alle gegen den Irak - und die Taliban, und Iran, und Nordkorea, und und und ...

Technikkritik 1938. Auch die kam also nicht erst 1968++ auf. Es wird heute leicht vergessen, dass Faschismus wie Kommunismus ebenso Produktivitätsgetrieben waren wie der Kapitalismus. Soo weit ging die Feindschaft denn doch nicht.

Auch hier, 1939: Die Reichen kriegen Schulden (Steuern) erlassen - die andern sind (selbst) schuld(ig).

Und noch ein zweiter, mehr in Bezug auf das, was der nördliche Nachbar grad anzettelt, den 2. Weltkrieg.

 

 

 

 

 

 

An der UNO hatte er offenbar so viel Freude wie die meisten Schweizer für lange Zeit.

1947/48 waren extreme Dürrejahre, vergleichbar 2003, aber noch nicht mit den selben Subventionen und Import-Ersatzmöglichkeiten.

Ein Blick vom Rheintal nach Berlin

Nieder mit den Alpen - freien Blick aufs Mittelmeer. Der kam dann erst 1980, und bezog sich eigentlich mehr auf die Alpen in den Köpfen. Wir sehen hier aber doch eine frühe Kritik am überbordenden Verkehr, am Wahn, möglichst schnell und ohne Hinderniss überall hingelangen zu müssen.

Aehnliches (Technikkritik) spricht auch aus den folgenden 2:

 

Ende 1954 entstand an der Technischen Hochschule Stuttgart mit dem Forschungsinstitut für Physik der Strahlantriebe die erste offizielle Einrichtung für Raketenforschung.

 

1955 war die erste Autobahn der Schweiz eröffnet worden, die Ausfallstrasse Luzern Süd, später ein Teil der A2.

1957: Gründung der IAEA ... was vermutlich eben so seine Gründe hatte ... (1. Wasserstoffbombe der UDSSR 1955)

 

Sogar die Schweiz träumt davon, Atommacht zu werden. In Lucens wird ein Versuchsreaktor gebaut, der 1969 medial stillschweigend verstunken ist. Kritik an solchen Begebenheiten war damals noch Landesverrat.

Die russische Sonde Lunik hat 1959 den Mond errreicht. Auf der Venus war allerdings bloss Stanislav Lem, im Geiste.

1960 war der Weltbund zum Schutz des Lebens gegründet worden. 1961 wurde der wwf gegründet. 1962 erschien Rachel Carsons "Silent Spring". Umweltzerstörung wurde zum Problem

 

Auch die Verhäuselung der Schweiz nimmt zu, zuerst bemerkt offenbar von den Verursachern, den Architekten, die sich auf's Land zurückziehen. Es beginnt die grosse Zeit der Vororte.

Zur Pflicht werden Kläranlagen erst mit dem Gesetz von 1970. Das hat also gedauert ...

 

Die SGA ist die St. Gallen - Gais - Appenzell - Bahn, die von Einstellung bedroht war, dann aber 1970 mit der St. Galler Bahn eine gemeinsame Direktion schuf. 1988 erfolgte die Fusion zu den Appenzeller Bahnen.

 

 

Bereits 1976 kam es zu einem Flugzeugzusammenstoss, in Zagreb. Das Erdbeben von Tangshan war eines der verheerendsten des 20. Jahrhunderts. Die 1. Oelkrise (1973) hatte gezeigt, dass Wirtschaft abhängig ist, die 2. stund erst noch ins Haus (1979).  Dass nicht alles jedes Jahr mehr und besser wird, war für die meisten eine neue Erfahrung. Die Schweiz fiel 1975 in die schwerste Krise der Nachkriegszeit. Im Rückblick waren es von 1974 bis 1976 7,5% BIP-Rückgang. Diesem Einbruch wurde finanzpolitisch mit insgesamt drei Arbeitsbeschaffungsprogrammen begegnet - und offenbar bereits auch mit dem Aufruf nach Sparen bei denen, die darunter zu leiden hatten. Die Schweiz hatte damals, in dem Jahr, als die boomenden Nachkriegsjahre definitiv zu Ende gingen, noch die Gelegenheit, die damit verbundene Arbeitslosigkeit mit den Saisonniers zu exportieren. Die Ideologie, dass jeder der eine Arbeit will, sie auch findet, blieb zwar - die Realität jedoch sah danach anders aus. Mit den 300'000 Exportierten Saisonniers gingen auch 300'000 Mieter, 300'000 Konsumenten (wenn auch auf tiefem Niveau), und von dieser gedämpften Wachstumserwartung hat sich die Schweizer Bauwirtschaft nie erholt: Nach 30 Jahren ungebrochenen Anstiegs fiel die Bautätigkeit plötzlich auf die Hälfte zusammen - um bis heute auf dem Niveau zu verbleiben (- zum Wohl der Landschaft .. theoretisch).

Diese Aussage gibt den damals bereits langjährigen Trend wieder, für jegliches Fehlverhalten primär die Gesellschaft verantwortlich zu machen. Alles wurde psychologisiert, alles war bedingt, also verständlich, also zu entschuldigen. Die Auswirkungen eines übertriebenen laissez faire haben wir heute ha noch zu spüren: Verdreckte Strassen, Parks, Busse, Eisenbahn, Toiletten etc. Ursprung ist hier eigentlich der Trend zur antiautoritären Erziehung, der vor allem in den 60er gefördert wurde.

Der Problembereich Strafe - Resozialisierung ist heute leider wieder sehr aktuell, und genau so problembehaftet wie damals. Bürgerliche Parteien (und Frauen) fordern eine Verschärfung des Strafrechts (s. lebenslange Verwahrung bei Sexualtstraftätern, was gegen eine ganze Serie internationaler Normen verstösst)  - Schlumpfine hat den Auftrag angenommen. Toni Brunner, immer sparbewusst, verlangt sogar, dass Kleinkriminelle in Kasernen und Zivilschutzbunkern untergebracht werden.

Strafrechtsprofessor Franz Riklin weist darauf hin, dass härtere Strafen zwar dem "Un-Rechtsbewusstsein, besser, dem Rachegefühl der Gesellschaft besser entsprechen, aber kaum helfen, die Kriminalität zu reduzieren. Immerhin haben die USA, wo die härtesten Strafen winken, sogar für Jugendliche, 40 x mehr Gewaltdelikte als die Schweiz, Deutschland und Frankreich immer noch 4 x. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass nicht jeder "Verbrecher" lebenslänglich eingekerkert werden kann. Immerhin wird 1/3 der Schweizer mindestens 1 x im Leben straffällig (Parkbussen nicht mit gemeint). Das Hauptziel der Strafe darf also nie nur Rache sein, sondern muss darauf hinaus gehen, eine Wiederholung zu vermeiden.

Zeichen der Zeit:

. Volksinitiative "Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährlich Sexual- und Gewaltstraftäter"

Botschaft zur Volksinitiative "für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern".

 

Bruno Kirchgraber (1900 - 1983), wurde in der Stadt St. Gallen als Sohn eines aus Deutschland eingewanderten Textilindustriellen geboren.
Er lebte aber seit 1949 in Altstätten im Rheintal und gilt als Rheintaler Künstler. Der bekannteste darunter ist wohl Ferdinand Gehr, der auch in Altstätten wohnte und mit dem Bruno Kirchgraber bekannt war.